Amalienhütte Bachzimmern
von Lena Kunz

Walter Biselli_CC-by-sa
Fährt man heute durch den bei Immendingen liegenden Weiler Bachzimmern, so ist nicht mehr zu erkennen, dass dort einstmals zu Spitzenzeiten beinahe 300 Arbeiter tätig waren. Und wahrscheinlich auch zu großen Teilen mit ihren Familien dort lebten. Heute ist das Tal grün und vor allem im Sommer eine Pracht. Dominiert wird es von zwei Schlössern und schlossartigen Gebäuden und einem Bauernhof, der schon seit Jahrzehnten auch als Gasthof dient. Bei einem der schlossartigen Gebäude handelt es sich tatsächlich um das Verwaltungsgebäude der Schmelzhütte Bachzimmern.
Doch die Industriegeschichte Bachzimmerns ist noch gar nicht so lange vergangen. Vermutlich ist schon im 16. Jahrhundert ein Schmelzofen für das dort zu findende Bohnerz vorhanden. Sicher jedoch ist der Bau eines Schmelzofens ab 1707 nachzuweisen. Der erste Schmelzvorgang fand am 23. April 1708 statt.
Doch wie kam es zu der Errichtung eines Schmelzofens in Bachzimmern?
Das Fürstenbergische Eisenwerk in Hammereisenbach (welch ein klingender Name) benötigte ein Schmelzwerk, um den benötigten Rohstoff, Eisen, zu erhalten. Vordergründig bot sich Bachzimmern hier an, denn es erfüllte alle nötigen Voraussetzungen für den Betrieb eines Schmelzwerks: Erzgräberei war möglich und Bohnerz vorhanden, es gab genug Holz für die Köhlerei (die Kohle wurde zum Betrieb der Schmelzöfen benötigt) und es gab Wasser, das der Weisenbach nach Bachzimmern führte.
Doch so gut sich der Betrieb anging, so schnell ging es auch wieder bergab. Der Verwalter Krauss hatte bereits nach dem ersten Betriebsjahr enorme Schulden angehäuft und flüchtete sich in das nur knapp 15 km entfernte Württemberg, wo er der Strafverfolgung entging. Das Haus Fürstenberg musste haften und die Angelegenheit ging als „Krausische Concurssache“ ins fürstliche Archiv über. Ganz alleine schuldig war der bestelle Verwalter aber möglicherweise auch nicht – war der Weisenbach einfach zu schwach und lieferte nicht die benötigte Wassermenge. Außerdem gab es die Problematik der weiten Wege – wer die Gegend kennt weiß, dass es bis ins Werk nach Hammereisenbach eine ordentliche Strecke war und so der Transport des Eisens schon Unsummen verschlang.
Nach Jahren wechselnder Pächter, wie Johann Jacob Oschwaldt um 1760, wurde das Werk und damit auch die Schmelzhütte 1762 vom Fürsten Josef Wilhelm Ernst in eigener Regie übernommen. Doch auch das brachte nicht die benötigte Eisenmege und so wurde die Schmelzhütte 1788 stillgelegt und ins Kriegertal verlegt.
Doch schon 1812 gab es Überlegungen zur Errichtung einer neuen Schmelzhütte in Bachzimmern. Äußerst erfolgreich, denn ab 1814 lieferte die Hütte jährlich 8.000 Zentner Roheisen. 1829 wurde eine neue Gießerei eingerichtet, die 80 Arbeiter, Laboranten genannt, beschäftige. Hinzu kamen noch ca. 220 Mitarbeiter in der Erzförderung und der Köhlerei. 1833 wurde die Schmelzhütte nach der Frau des Fürsten Karl Egon II. in „Amalienhütte“ umbenannt.
Nach Jahren des hohen Gewinns, fuhr die Schmelzhütte ab 1858 aber wieder Verluste ein. Die Kosten für die Produktion waren nicht mehr zu halten, die Konkurrenz produzierte günstiger. 1862 wurde der Betrieb endgültig eingestellt und 1864 in Teilen an die Maschinenfabrik Immendingen verkauft.

Industriepioniere – von Steinbeis
Berühmt wurde die Amalienhütte vor allem unter dem Bergrat Ferdinand von Steinbeis, dessen Sohn Otto von Steinbeis, ein berühmter Industriepionier, in Bachzimmern geboren wurde.
Ferdinand von Steinbeis wurde 1842 Direktor der bedeutenden Eisenwerke Stumm in Neunkirchen (Saar) und nahm später als Württembergischer Regierungsrat maßgeblichen Einfluss auf die Industrialisierung Württembergs. Sein Sohn Otto von Steinbeis trat in seine Fußstapfen und wurde seinerseits einflussreicher Unternehmer und Politiker.
| Objekt | Amalienhütte Bachzimmern |
| Adresse | Bachzimmern 1, 78194 Immendingen |
| Webseite | – |
| Nutzung ursprünglich | Eisenwerk |
| Nutzung aktuell | Wohnen (Verwaltungsbau) |