Maschinenfabrik Immendingen

von Lena Kunz

Vom Adelswohnsitz zum Industriegebäude

Wohl nur wenige industrielle Einrichtungen können sich mit einem derart schönen Betriebsgebäude brüsten, wie die Immendinger Maschinenfabrik. Die Erzfunde in Bachzimmern legten die Grundlage für die 1835 gegründete, älteste Maschinenfabrik des Großherzogtums Baden.

Das Obere Schloss, das heute als Rathaus dient und baulich anzunehmend aus dem 13. Jahrhundert stammt, diente als Fabrikationsstätte. Die beiden Maschinenfabrikanten Johann Gustav Bernoulli (Basel) und John Rowlandson (Bolton, England) wurden von Fürst Karl Egon von Fürstenberg, dem damaligen Immendinger Ortsherr, zu Geschäftsführern ernannt. Mit ihrem Fachwissen sollten sie das Projekt auf solide Beine stellen. Anfangs hatte sich die Firma auf den Mühlenbau spezialisiert, beispielsweise übernahm sie den Bau der Rheinmühle in Konstanz. Weiter wurden Pressen für Obst hergestellt, Dreschmaschinen und Räder.

1852 übernahmen die Fürstenberger selbst die Leitung der Fabrik. Die Produktpalette wurde deutlich erweitert: Transmissionen, Spinnerei- und Webemaschinen, Brückenzubehör, Kessel, Turbinen und Dampfmaschinen aus Immendingen eroberten den Markt. Durch den Eisenbaubahn im Schwarzwald erhöhte sich das Auftragsvolumen merklich.

1899 übernahmen die Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen sowohl das Obere wie auch das Untere Schloss in Immendingen und somit auch die Maschinenfabrik.

1917 fand eine erneute Betriebsumstellung statt, als die Schwenninger Firma J. G. Mehne das Obere Schloss aufkaufte. Der neue Kassenschlager waren Motoren für Fahrzeuge. Außerdem gab es eine eigene Abteilung für elektronische Haushaltswaren wie Bügeleisen, Lockenstäbe und ähnliches. Auch im Unteren Schloss von Immendingen war eine Produktionsstätte errichtet worden und so vervollständigten Stanzerei, Presserei, Metallgießerei und eine galvanische Anstalt den Industriebetrieb.

Zum 1. Januar 1935 übernahm der bisherige Leiter Johann Jäckle den Besitz der Maschinenfabrik im Unteren Schloss. Nach einigen Änderungen stand schlussendlich der neue Name fest: Immendinger Gießerei- und Maschinenfabrik, Jäckle&Co. Bis in die 1960er Jahre hinein wurde sukzessive modernisiert.

1922 war die höchste Zahl an Beschäftigten, 300 Arbeiter, erreicht worden. In den Jahrzehnten danach pendelte sie sich bei ca. 200 Mitarbeitern ein. Doch die Produktion ging bergab. Billigkonkurrenz aus dem Ausland, sowie hohe Investitionssummen führten 1984 zum Verkauf an einen Investor aus der Schweiz. Zwei Großbrände im Jahr 1985 läuteten schließlich das Ende des Produktionsbetriebes ein,

Ende 1989 ging die Firma Konkurs. Die Anlage verfiel nach und nach und wurde zu einem Schandfleck im Dorf; so erinnert sich die Autorin noch an die elterliche Warnung, das ehemalige Betriebsgelände in keinem Fall zu betreten. Nach dem Erhalt von Fördersummen kaufte die Gemeinde das Gelände auf, baute die Industrieanlagen zurück und errichtete in den 2010er Jahren die Wohnanlage Donaupark.

Einzig das Obere und Untere Schloss erinnern bis heute an das Stück Immendinger Industriekultur und dessen über 150-Jährige Geschichte.

Objekt Ehem. Maschinenfabrik Immendingen
Adresse Unteres Schloss, Donaupark, 78194 Immendingen
Webseite https://www.inkge-immendingen.de/das-untere-schloss.html
Nutzung ursprünglich Schloss, Adelssitz – dann Maschinenfabrik
Nutzung aktuell Rathaus (oberes Schloss) – Veranstaltungen (Unteres Schloss)
Unteres Schloss
Oberes Schloss